FDP bestätitg propaganda-modell Donnerstag, 25. Februar 2010 16:14 · von meik
im propaganda-modell haben diese filter zur konsequenz, daß (private) medien mit kritischer berichterstattung gegenüber mächtigen instanzen wahrscheinlich zurückhaltend sind, da sie für exklusive informationen aus diesen kreisen auf deren kooperationbereitschaft angewiesen sind (zugang zur quelle). skandale werden also mit größerer wahrscheinlichkeit erst dann berichtet, wenn sie eh nicht mehr zurückzuhalten sind oder die davon getroffene instanz auf diese weise so sehr geschädigt werden könnte, daß kein "vergeltungsschlag" zu befürchten ist (flak). auf der anderen seite fallen negative meldungen wahrscheinlich unter den tisch, wenn die getroffene instanz hinterher immer noch als informationsquelle benötigt wird.
das modell kann das verhalten öffentlich-rechtlicher medien nicht gut vorhersagen -- hier fehlt in der regel die abhängigkeit von anzeigenverkäufen (s.u.). die finanzielle unabhängigkeit durch rundfunkgebühren macht unanfälliger für schleimereien gegenüber der "elite". das interessante an der FDP-mail ist dennoch, daß sie zweifelsohne belegt, daß wichtige informationsquellen sich unkooperativ zeigen, wenn die berichterstattung nicht nach ihrem geschmack läuft -- genau wie vom modell erwartet. man kann die mail auch anders deuten: "berichtet in unserem sinne, dann geben wir euch auch ein interview."
aktiv werden die nachrichtenfilter des modells wegen finanzieller zwänge -- private medien müssen geld verdienen, das ist ihre wichtigste verpflichtung. diesem zweck muß sich das produkt unterordnen, d.h. nachrichten werden nicht allein nach ihrem informationsgehalt oder gesellschaftlicher relevanz bewertet, sondern immer auch daran, ob sie indirekt das eigene geschäftsmodell stützen bzw. gefährden.
chomsky & herman brauchen keine verschwörung von mächtigen oder gehirnwäsche um zu erklären, warum viele interessante fakten wenig beachtung finden und nebensächlichkeiten zu großen stories aufgeblasen werden. in ihrem modell genügt hierfür geldnot. sie bringen als beleg viele beispiele, wie berichte über pol pot vs. schweigen zu osttimor oder berichte über watergate vs. schweigen zu COINTELPRO (wo das FBI zeitgleich die gezielte ermordung politischer aktivisten im eigenen land durchführte). man stelle sich vor, das BKA würde in deutschland mitglieder der piratenpartei erschießen, aber in den nachrichten ginge es mal wieder (nur) um eine flugmeilenaffäre. unvorstellbar? nicht im land der unbegrenzten möglichkeiten, oder gemäß modell überall sonst, wo private medien die öffentliche meinung formen.
noam chomsky geht davon aus, daß demokratien propaganda einsetzen, wo totalitäre regime mit direkter gewalt vorgehen. während letztere so direkt das verhalten der bevölkerung kontrollieren können, kann die steuerung einer freien gesellschaft nur indirekt geschehen, indem man einfluß darauf nimmt, was individuen wissen und denken. die FDP scheint auf dieser linie zu sein. die panorama-reporter finden das parteiverhalten "ungewöhnlich" für eine demokratische partei -- dabei paßt es wie dargelegt ganz genau in das muster, das chomsky typisch für demokratien hält.
in diesem sinne: danke für unsere rundfunkgebühren.


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